DIE WAHRHEIT LIEGT IM CODE:
DIE HOHE KUNST DER SOFTWARE-ENTWICKLUNG.
INTERVIEW MIT FRANK LINDECKE

Mit Frank Lindecke fand 1998 der erste Software-Entwickler Einzug in unsere Denkfabrik für Technologie & Design und mit ihm ein völlig neues Themenfeld. In den Folgejahren ist es Frank mit viel Enthusiasmus und weiteren Mitgliedern des neuen Fachbereichs gelungen, die Software-Entwicklung bei ma design als neue Kerndisziplin zu etablieren und in dramatischer Geschwindigkeit auf ein professionelles Level zu heben. Die langjährige Projekterfahrung kombiniert mit seinem immensen Fachwissen machen ihn für die Teamkollegen zu einem wertvollen Ansprechpartner, insbesondere im Kontext seines Spezialgebiets der Software-Architektur.

Knapp zwei Dekaden ma design, den Bereich Software begründet und maßgeblich geprägt und zudem jederzeit bereit, seine Expertise zu teilen. Höchste Zeit also, unseren Softwerker #1 zu Wort kommen zu lassen.

Frank, 18 Jahre sind ein lange Zeit! Erinnerst du dich noch an die Anfänge des Softwerkens bei ma design?

Frank: Na klar! Damals hatten wir folgende Situation: Unsere Designer erdachten neue UI-Konzepte und entwickelten smarte Ideen, die dann von Programmierern auf Kundenseite umgesetzt werden sollten. Dabei kam es immer wieder vor, das Vorschläge mit der Begründung abgelehnt wurden, dass die Verwirklichung auf Softwareseite gar nicht oder nur schwer durchführbar wären. Um es klar zu sagen: Es wurden zwei verschiedene Sprachen gesprochen. Ein Umstand, der die kreativen Entwicklungsprozesse einzuengen und den Fortschritt zu behindern drohte. Bis zu dem Zeitpunkt im Jahr 1998, als Michael Arpe sagte: „Dann werden wir eben selbst zu Entwicklern! Wir definieren die Grenzen der technischen Machbarkeit!“. Ich wurde frisch von der Uni weg engagiert und vor diese Herausforderungen gestellt. Mit Erfolg. Die ersten Jahre waren geprägt von eindrucksvollen Projekten für namhafte Kunden wie Heidelberger Druckmaschinen, AIRBUS und ELAC Nautik. Eine steile Lernkurve.

Das ist im Übrigen eine Eigenschaft, die das Unternehmen ma design bis heute prägt: Das Potenzial junger Menschen zu erkennen und mit Verantwortung in Projekten zu belohnen.

Gemeinsam mit Softwerker #2, Matthias Richter, konnten wir sowohl unsere Kunden, als auch unseren Chef von dem Wert der Software-Entwicklung überzeugen. Mit Recht: Mit zwei Entwicklern wurde das Kapitel aufgeschlagen und mittlerweile beschäftigt ma design tatsächlich mehr Entwickler als Designer!

Durch die „Softwerker-Brille geblickt“: Welche Entwicklungen haben dich in den 18 Jahren beeindruckt oder sogar geprägt?

Frank: Das Web hat alles verändert. Das Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 war nur eine kurze Unterbrechung in einer rasanten Entwicklung. Immer mehr Unternehmen wollten ihre Produkte auch im Netz anbieten. Eine echte Goldgräberstimmung, in der man einen klugen Kopf und den Blick für das Wesentliche bewahren musste. In dieser Zeit haben wir extrem viel dazu gelernt: Wir entdeckten und erschlossen uns Software-Entwurfsmuster, wir verinnerlichten es, in Prozessen zu arbeiten und Tests zu automatisieren. Und wir erlernten neue Sprachen und Technologien, für die Gestaltung vollkommen neuer, bis dahin nicht gesehener Oberflächen.

Das prägendste Ereignis für mich war ganz klar die Einführung des iPhones 2007. Mit diesem Produkt hat Steve Jobs einen Prozessmusterwechsel vollbracht. Indem er den Kundennutzen zu 100% in den Mittelpunkt gestellt hat, konnte mit dem iPhone das Netz zu einem integralen Bestandteil unseres täglichen Arbeiten und Lebens werden. Die Kommunikation an sich wurde einem tiefgreifenden Wandel unterzogen, deren Ergebnisse wir heute jeden Tag an uns und unseren Mitmenschen erleben können.

Mit dem Siegeszug des Smartphones entstanden völlig neue Geschäftsfelder, denn Software musste jetzt auch mobil nutzbar sein. Die Anforderungen wandelten sich radikal, die App Entwicklung war und ist das Zauberwort. Bei ma design haben wir uns dabei eine große Flexibilität bewahrt und nutzen die Technologien, die für die individuellen Anforderungen auf Kundenseite die besten Ergebnisse erzielen.

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Frank in seinem Element – Architektur visualisieren und Expertise weitergeben

Wie entdeckt ihr neue Technologien für euch?

Frank: Als Software-Entwickler ist es essentiell, neugierig zu sein, um sich über die neuesten Entwicklungen und Trends der Szene zu informieren und sich zu eigen zu machen. Das ist für einen Softwerker überlebenswichtig. Bei ma design wird uns dafür der entsprechende Freiraum eingeräumt, damit wir neben der Projektarbeit nach neuen Entwicklungen forschen können.

Darüber hinaus treffen sich alle Softwerker in unserem Hause einmal pro Woche zu unserem traditionellen Tech-Talk: Bei Pizza und Pasta, geliefert von unserem Lieblingsitaliener, stellt ein Kollege seine neuen Erkenntnisse zu einem aktuellen Thema vor, was in der Regel in einer lebhaften Diskussion mündet. Dieser Austausch ist für uns Entwickler extrem wichtig. Natürlich ist die interdisziplinäre Teamarbeit ein wesentliches Erfolgsrezept von ma design und gelegentlich verirrt sich auch mal ein Designer mit in die Runde (lacht). Aber es ist wichtig, einen Termin zu haben, bei dem alle Themen ungefiltert auf den Tisch kommen und wir uns ohne ein Blatt vor dem Mund zu nehmen in unserer eigenen „Sprache“ austauschen können.

Wie schafft man es „gute Software“ zu schreiben?

Frank: Bei aller Begeisterung und der Bedeutung neuer Entwicklungen muss man einen zentralen Punkt festhalten: „Die Wahrheit liegt letztlich im Code“. Dazu benutze ich gerne das plakative Beispiel eines Bestseller-Autors: Um ein richtig fesselndes Werk zu schreiben, das von den Kritikern gefeiert und von den Lesern erst nach der letzten Seite aus der Hand gelegt wird, braucht der Autor kein High-End-Laptop. Möglicherweise kann das Schreiben damit erleichtert werden, aber letzten Endes braucht der Autor lediglich Papier und Stift, um sein Können und seine Kreativität umzusetzen.

Dieses Beispiel lässt sich 1:1 auf den Softwerker übertragen: Wir müssen unser Handwerk von Grund auf verstehen und die Fähigkeit zu abstraktem Denken mit Kreativität paaren. Wer eine Programmiersprache wie aus dem FF beherrscht, hat in der Regel keine Probleme damit, sich in eine neue Sprache einzuarbeiten. Darüber hinaus ist es enorm wichtig, die Software erweiterbar zu halten, mit Abstraktion zu arbeiten und das „Pferd das ein oder andere mal von hinten aufzuzäumen“ (lacht).

Welche Bedeutung hat die Software-Architektur in diesem Zusammenhang?

Frank: Sie ist unverzichtbar. Für mich ist sie vergleichbar mit einem Stadtplan. Wenn ich in eine neue Stadt komme, sehe ich nur die Straßen, in denen ich mich bewege. Habe ich aber einen Stadtplan dabei, erkenne ich die Strukturen und den Aufbau – Innenstadt, Vororte, Wohn- und Industriegebiete, Versorgungseinrichtungen etc. Wenn dieser Stadtplan mir nun noch bei neuer Infrastruktur, Gebäuden usw. sagen kann, wo ich diese mit wenig Energie – sprich Aufwand – in das Gesamtbild unterbringen kann, dann habe ich eine Stadt-Architektur.

So eine Struktur brauche ich auch als Grundlage für die Software-Entwicklung. Nur dann kann ich überprüfen und sicherstellen, dass die Software unsere Qualitätskriterien erfüllt und in Zukunft auch erfüllen wird: Benutzbarkeit, Skalierbarkeit, Sicherheit, Evolvierbarkeit und Leistungsfähigkeit, um nur ein paar zu nennen.

Der Benutzer unserer Anwendungen sieht letzten Endes nur einen Bruchteil von dem, was sich hinter einer erfolgreichen Software verbirgt. Vergleichbar mit einem Eisberg. Die Komplexität der Strukturen und Prozesse, die letztlich eine benutzerzentrierte, bedienerfreundliche Funktionalität sicherstellen, ist für den Nicht-Entwickler oft schwer erkennbar.

Was macht die Arbeit bei ma design für dich besonders?

Frank: Wie schon erwähnt, arbeiten wir nicht in Abteilungen, sondern in interdisziplinären Teams mit flachen Hierarchien und viel Freiraum zum Querdenken. Wir sind eine Mannschaft von Generalisten mit den Fähigkeiten von hochqualifizierten Spezialisten, die sich gegenseitig hinterfragen und dadurch inspirieren. Aus diesem Grund stellen wir neben der Fachkompetenz einige besondere Ansprüche an unsere Softwerker: Auch wenn wir uns in unserem Tech-Talk fachspezifisch richtig austoben können, müssen wir in der übrigen Zeit Teamplayer sein, die ihre komplexen Gedankengänge verständlich kommunizieren können. Bei uns gibt es keine „Code-Monkeys”, die mit Scheuklappen ihren Code runterhacken und zum Lachen in den Keller gehen.

Bei uns ist kein Tag wie der andere. Wir arbeiten für Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen – langweilige Routine kennen wir dadurch nicht. Das zeichnet uns aus. Und das macht richtig Spaß!

Frank, herzlichen Dank für das Gespräch!