CROWDFUNDING

Wenn Google für das Stichwort „Crowdfunding“ knapp 80 Millionen Ergebnisse liefert, muss das Thema hinreichend bekannt sein. Zum Vergleich: Für „Industrie 4.0“ werden knapp 17 Millionen Ergebnisse angezeigt, für „Digitalisierung“ etwas mehr als 5 Millionen.

„Crowdfunding ist eine Alternative zur traditionellen Finanzierung durch Banken, mit der insbesondere für soziale, karitative oder kreative Projekte Geld eingesammelt wird. Häufig wird Crowdfunding aber auch von Start-up-Unternehmen zur Kapitalbeschaffung genutzt“, schreibt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) auf ihrer Website. „Jeder, der in Deutschland Bankgeschäfte und Finanzdienstleistungen anbieten will, benötigt dafür die Erlaubnis der BaFin. Viele Crowdfunding-Plattformen sind gezielt so ausgestaltet, dass sie keine Erlaubnis benötigen und damit auch nicht von der BaFin beaufsichtigt werden. Das heißt selbstverständlich nicht, dass alle Angebote dort zwangsläufig unseriös sind.“

Ein neuer Weg für eine erfülltere Welt

Aus diesen Sätzen sprechen Ratlosigkeit und Ohnmacht angesichts des Kontrollverlusts: Menschen nutzen die Möglichkeiten des Internets, um Geld für Projekte und Unternehmensgründungen zu sammeln, die Banken nicht finanzieren würden. Dass Menschen damit ihre Ideen und Träume verwirklichen und auch unser Leben bunter, reicher, erfüllter und vielfältiger machen können, ist für die BaFin ohne Bedeutung. Eine Crowdfunding-Plattform zeigt das breite Spektrum der Projekte in 15 Kategorien: Kunst, Mode, Musik, Comics, Film und Video, Fotografie, Kunsthandwerk, Essen/Trinken, Publishing, Tanz, Spiele, Technologie, Design, Journalismus und Theater. Die Initiatoren der Projekte müssen nur eine wichtige Bedingung erfüllen: Sie müssen andere davon überzeugen, dass es sich lohnt, sie finanziell zu unterstützen.

 

„Crowdfunding schließt für viele innovative Unternehmen und Projekte eine Finanzierungslücke. Insbesondere wird dringend notwendiges Risikokapital bereitgestellt. 8 Prozent der Investitionen der Crowd kommt über institutionelle Investoren – dies ist ein gutes Zeichen.“

Uli Fricke, stellvertretende Vorsitzende des Vorstands des Bundesverbandes Crowdfunding

Von der lokalen Ebene ins World Wide Web

Das Internet bietet allen Initiatoren die Chance, ihre Ideen, Produkte und Dienstleistungsangebote über soziale Medien, Websites, Blogs und Crowdfunding-Plattformen weltweit bekannt zu machen. Viele hoffen auch, auf diese Weise schnell reich werden zu können. Wer glaubt, man benötige nur eine ausgefallene Idee, ein gutes Video und schon würde der Geldregen einsetzen, sollte das Crowfunding Infoportal der Handelskammer Hamburg besuchen: Hier erfahren Initiatoren im Detail, wie viel Arbeit und Einsatz tatsächlich erforderlich sind, um ein Projekt zu realisieren.

Entscheidend ist der Kundennutzen

Eine Geschäftsidee wird sich nur dann durchsetzen können, wenn sie Menschen begeistert und deren Phantasie beflügelt. Die wichtigste Frage der potenziellen Geldgeber lautet: „Was habe ich davon bzw. was bekomme ich als Gegenleistung, wenn ich dir mein Geld gebe?“ Wer darauf keine überzeugende Antwort gibt, wird mit seinem Projekt scheitern. Die Handelskammer Hamburg fordert noch mehr: „Die Crowd soll teilhaben an Entwicklungsprozessen, Fortschritten, aber auch an Rückschlägen. Eine emotionale Bindung wird durch lebendige, authentische Geschichten, unterstützt durch Fotos und Videos, geschaffen. Transparenz wird vor allem in Social Media Kanälen sehr geschätzt.“ Diese Transparenz ist aber ein zweischneidiges Schwert, denn ist eine Idee erst einmal veröffentlicht, kann sie auch von anderen kopiert und umgesetzt werden – im schlimmsten Fall besser und schneller.

Finanzierungsplattformen für Unternehmen

Für etablierte Unternehmen ist diese Art des Crowdfunding deshalb nicht sehr interessant. Hinzu kommen weitere Schwierigkeiten: Wie soll ein Unternehmen z.B. den Kundennutzen einer neuen Produktionsanlage überzeugend darstellen und wie viele Investoren sind erforderlich, um innerhalb einer bestimmten Frist einen Millionenbetrag aufzubringen? Eine Lösung könnten Peer-to-Peer-Lending-Plattformen bieten, die Unternehmen mit Privatanlegern und institutionellen Investoren zusammenbringen. Selbst eine deutsche Großbank hat Ende Juni eine derartige Plattform für mittelständische Unternehmen eröffnet. Ob deren Angebot überzeugend ist, wird sich zeigen. Wie die Beratungsgesellschaft Capmarcon kürzlich berichtete, verlassen sich deutsche Mittelständler immer weniger auf ihre Banken. Sie nutzen verstärkt das Instrument der Unternehmensanleihe. Hier kommt es nicht auf Transparenz an, sondern auf die Bonität.

Herzliche Grüße
Ihr Michael Arpe