DAS NEUE LERNEN

Je nachdem, ob man das zweite oder das dritte Wort der Überschrift dieses Artikels betont, ergibt sich ein anderer Sinn. Die Möglichkeiten Neues zu lernen, vergrößern sich mit jedem Tag: Nicht nur die Anzahl der im Internet verfügbaren Informationen vermehrt sich minütlich, auch die digitalen Bildungsangebote nehmen kontinuierlich zu. Gleichzeitig verändert sich der Prozess des Lernens, denn digitale Medien bieten die Möglichkeit, Inhalte multimedial aufzubereiten und mit Filmen, Animationen, Grafiken, Sprache, Geräuschen und Musik einprägsam zu vermitteln. Darüber hinaus kann man Tablets und Smartphones zu jeder Zeit und an jedem Ort nutzen. Größere Möglichkeiten, das eigene Wissen zu vermehren, hatte bislang keine Generation.

Von Abbildtheorie bis Zwölftontechnik

Egal, für welches Thema man sich interessiert, wer eine der gängigen Suchmaschinen benutzt, wird in Sekundenbruchteilen fündig. Selbst zu „exotischen“ Stichworten wie Abbildtheorie oder Zwölftontechnik werden 11.000 bzw. 21.000 Ergebnisse angezeigt. Bei geläufigeren, wie Programmiersprachen, sind es schon knapp 600.000 und bei Digitalisierung rund 5,5 Millionen.
Wer die Suche weiter verfeinert, wird immer noch eine Vielzahl von Ergebnissen erhalten. Das digitalisierte enzyklopädische Wissen ist so umfangreich, dass es mehr und mehr Aufwand erfordert, bei den Suchergebnissen die Spreu vom Weizen zu trennen.

Wer sich nicht auf die Algorithmen von Suchmaschinen verlassen möchte, kann andere Quellen nutzen, deren Qualität unbestritten ist – z.B. die digitalen Sammlungen der größten Bibliothek der Welt, der Library of Congress in Washington oder die Deutsche Digitale Bibliothek. Hier werden die digitalen Angebote von Museen, Bibliotheken, Archiven, Forschungsinstituten, Mediatheken, Denkmalpflegeeinrichtungen und Bildarchiven vernetzt. Millionen von Büchern, Archivalien, Bildern, Skulpturen, Musikstücken und anderen Tondokumenten, Filmen und Noten sind damit kostenfrei online zugänglich.

Kulturelle Angebote besonderer Art macht auch das Google Cultural Institute.
In Zusammenarbeit mit Partnern wie dem Deutschen Museum in München, dem British Museum in London und dem Kunsthistorischen Museum in Wien werden virtuelle Museumsbesuche ermöglicht.

Berufliche Weiterbildung zahlt sich aus

Wie eine große deutsche Tageszeitung berichtete, wollen Vergütungsberater herausgefunden haben, dass berufliche Weiterbildung nicht nur die Aufstiegschancen verbessert, sondern auch die Verdienstmöglichkeiten. Wer durch ein Zusatzstudium einen Fachwirt oder einen MBA erwerbe, verdiene im Jahresdurchschnitt deutlich mehr als Kollegen ohne entsprechende Weiterbildung.

Fast alle deutschen Hochschulen bieten mittlerweile Fernstudienlehrgänge für Berufstätige an, sowohl als Erst- als auch als Aufbaustudium. Knapp 400 Fächer stehen zur Auswahl, darunter auch Elektro- und Informationstechnik, Energieinformatik, Informatik, Information Systems, Innovations- und Technologiemanagement, Intelligente Eingebettete Mikrosysteme sowie IT-Sicherheit und -Forensik.

„Digitalkunde“ in der Schule

Digitale Bildung sollte jedoch schon viel früher erworben und vermittelt werden. Das aus rund 30 Wissenschaftseinrichtungen, Stiftungen und Verbänden bestehende Nationale MINT-Forum (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) forderte deshalb Anfang Juni 2016 Bundesländer, Schulen und Lehrer zu einem Kulturwandel auf. Digitale Bildung und Informatik sollten Unterrichtsfächer werden.

Timotheus Höttges, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, ging noch einen Schritt weiter: Programmiersprachen seien mindestens genauso wichtig wie Multiplizieren, Lesen und Fremdsprachen und gehörten deshalb in die Lehrpläne. Kinder und Jugendliche sollten nicht nur „digitale Anwender“ sein, sie müssten „digitale Gestalter“ werden.

Wer nicht darauf warten möchte, ob und wann dieser Kulturwandel tatsächlich stattfinden wird, kann selber aktiv werden. Im Netz gibt es viele Angebote, die derzeit wichtigsten Programmiersprachen zu lernen.

Lebenslanges Lernen

Da der digitale Wandel alle Lebensbereiche erfasst, können wir nicht davon ausgehen, dass unser heutiges Wissen für unser ganzes Leben ausreicht. Es liegt an uns, wie wir unsere Zeit nutzen: Ob wir uns von Belanglosigkeiten ablenken lassen oder mit Themen beschäftigen, die uns weiterbringen. In seinen Bildungsschriften plädierte Cicero schon vor rund 2.000 Jahren für lebenslanges Lernen: „Fange nie an aufzuhören, höre nie auf anzufangen.“

Herzliche Grüße
Ihr Michael Arpe