DECISION MAKING:
MUT ZUR TRANSPARENZ

Entscheidungen. Laut dem Münchener Hirnforscher Prof. Dr. Ernst Pöppel treffen wir täglich bis zu 20.000, ob bewusst oder unbewusst, banale Themen betreffend, wie die Wahl zwischen Pasta oder Curry beim Mittagstisch oder mit weitreichenden Folgen, wie das Annehmen eines neuen Job-Angebotes. Es ist eine der wesentlichen Eigenschaften des menschlichen Daseins, sich entscheiden zu dürfen und zu müssen. Im Alltag erledigen wir dies schnell und unkompliziert: Wir trivialisieren, versuchen uns in Trial & Error oder tun das, was unser Bauchgefühl uns sagt.

Im geschäftlichen Umfeld werden die alltäglichen Entscheidungswege meist als ungeeignet empfunden. Wenn durch die Entscheidungswahl nicht das Mittagessen, sondern der Verlauf eines Projektes, der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens und damit in letzter Konsequenz Arbeitsplätze und Existenzen beeinflußt werden, wird ein methodischeres Vorgehen verlangt. Dies ist nachvollziehbar, wenn wir uns vor Augen halten, dass Intuition und Emotion Aspekte sind, die schwer erklärbar und nicht zu belegen sind.

Ratio vs. Bauchgefühl

Heutige Problemstellungen sind häufig komplex und bedürfen ganzheitlicher Ansätze. Die Welt ist nicht einfach nur schwarz oder weiß – auch der Gegenentwurf zum rein intuitiven Handeln, ein maximal systematisches Vorgehen, das nur auf Ratio und Methodik basiert, sichert nicht den Projekterfolg. Viele bedeutsame Entwicklungen wären höchstwahrscheinlich ausgeblieben, wenn sich die Entscheider jedes Mal sorgfältig Pro und Contra abwägend in ihr stilles Kämmerlein zurückgezogen hätten.

Entscheiden heißt also auch mutig sein, bewusst Risiken eingehen und manchmal sogar irrational handeln. Es gilt eine gesunde Balance aus Methodik, Erfahrung, Intuition, Ratio und Risikobewusstsein zu finden, wenn es um das Treffen einer guten Entscheidung geht.

Entscheidungshilfe

In komplexen Situationen, in denen uns unsere Intuition allein zur Entscheidungsfindung nicht ausreicht, kann methodisches Vorgehen Orientierung bieten:

Schritt 01:
Rahmendaten zusammentragen.

Welchen finanziellen Spielraum haben wir? Gibt es Gesetze oder Normen, die für unsere Entscheidung wichtig sind? Vorgaben wie diese erlauben es uns, unsere Möglichkeiten einzugrenzen.

Schritt 02:
Unterteilung der relevanten Aspekte in einzelne Kriterien.

Ziel ist es, einen möglichst objektiven Aspekte- und Kriterienkatalog zu erarbeiten. Anschließend können wir sämtliche Optionen in Bezug auf jedes Kriterium bewerten und einen gewichteten Mittelwert der Bewertungen bilden. Bei diesem Schritt sind sowohl bei der Gewichtung als auch bei der Bewertung unser Erfahrungsschatz und unsere Intuition gefragt.

Schritt 03:
Handlungsempfehlung ableiten.

Hat eine Option die mit Abstand beste Bewertung erhalten, so ist die Empfehlung eindeutig. Liegen die Bewertungsergebnisse dichter beisammen, so sollten wir zunächst die niedrig bewerteten Optionen ausschließen, bevor wir die verbleibenden Optionen weiter beleuchten.

Diese Methode garantiert kein eindeutiges Ergebnis, vielmehr gibt sie unserer Intuition einen geordneten Rahmen. Sie unterstützt bei der Rationalisierung von Fragestellungen, bei der Visualisierung des Entscheidungsweges und hilft dabei, sich über den eigenen Standpunkt klar zu werden. Das beschriebene Vorgehen bietet also eine adäquate Grundlage für eine fundierte Meinungsbildung, auf Basis derer eine tragfähige Entscheidung getroffen werden kann.

Dinge sichtbar machen

Auf welche Art und Weise auch immer wir zur Entscheidung kommen, eins ist relevant: Der Weg dorthin sollte zu jeder Zeit transparent und somit nachvollziehbar sein. Alles Flüchtige, wie Gedanken oder das gesprochene Wort, sollte für unser Gegenüber wahrnehmbar und erlebbar werden. Erst, wenn die Darstellung der Gedankengänge in einer Art erfolgt, welche nicht mehr interpretierbar ist, entsteht Objektivität und damit ein gemeinsames Verständnis.

Und letztlich: Nur wenn wir unsere Entscheidungswege unseren Geschäftspartnern, und natürlich auch uns selbst, sichtbar machen, lässt sich eine Vertrauensbasis herstellen, auf Grundlage derer Entscheidungen und Empfehlungen angenommen werden können.

Autoren:
Sandra Brügmann und Dr. Juliane Hansmann