DIGITALE GARAGEN

Für viele Männer waren Garagen schon immer ideale Rückzugsorte, um ungestört zu basteln und zu tüfteln. So auch für Bill Hewlett und Dave Packard, die 1939 in der Garage des Hauses 367 Addison Avenue in Palo Alto ihr erstes elektronisches Gerät bauten – einen Tonfrequenzgenerator. Das Produkt war so überzeugend, dass die Walt-Disney Studios acht Stück kauften, um mit ihrer Hilfe den Trickfilm Fantasia zu vertonen. Die HP-Garage gilt heute als Geburtsort des Silicon Valley.

Digitale Feigenblätter

Die Garagen heutiger Zeit tragen bedeutungsvolle Namen wie InnoLab, Digi-Lab, Innovation-Hub oder Digitalfabrik. Ihre Aufgabe besteht darin, für ihre jeweiligen Unternehmenszentralen digitale Lösungen zu entwickeln, wobei häufig nicht genau festzustehen scheint, wofür eigentlich. Diesen Eindruck erweckt zumindest eine Studie der Zeitschrift Capital und der Unternehmensberatung Infront Consulting, die 2017 die Arbeit von Innovation-Labs und Acceleratoren untersucht hat. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass die Lücke zwischen Lust und Frust ziemlich groß sei, weil die Digital Innovation Units ihre wirtschaftliche Relevanz noch nicht ausreichend bewiesen haben.

Das liegt zum einen an den Aufgabenstellungen, zum anderen am Engagement der Unternehmensleitung. Wer nur eine digitale Spielwiese eröffnet – vorzugsweise in Berlin-Mitte – um öffentlichkeitswirksam seine Bereitschaft zu Veränderungen zu demonstrieren und seine Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern, muss sich nicht wundern, wenn dort viel Geld verbrannt wird.

Vorbild Bauhaus

Welches Potenzial in digitalen Garagen stecken kann, zeigt ein Rückblick auf das Bauhaus in Dessau. Eine große deutsche Tageszeitung beschrieb dessen Arbeitsprinzip so: Die Künstler und Handwerker um Walter Gropius wollten alte Gewissheiten auseinandernehmen, sie in Frage stellen und neu zusammensetzen. Einfache Dinge wie ein Stuhl oder eine Kaffeekanne sollten völlig neu gedacht werden. Es ging nicht darum, Oberflächen neu zu gestalten, sondern um völlige Dekonstruktion und Neuerfindung. Mit anderen Worten: Prozessmusterwechsel statt Funktionsoptimierung. Genau das sollte auch die Aufgabenstellung für digitale Garagen sein.

Um Dinge neu zu erfinden, wurde in Dessau interdisziplinär gearbeitet. Handwerksmeister und Formmeister forschten, entwickelten und gestalteten gemeinsam. Mit dem Ergebnis, dass viele Bauhaus-Produkte zu zeitlosen Klassikern geworden sind.

Dass Zusammenarbeit sich auch heute noch lohnt und auszahlt, bestätigt Martina Koederitz, Vorsitzende der Geschäftsführung von IBM Deutschland: „Interdisziplinäre Teams – auch was Nationalitäten, Generationen, Professionen und Religionen betrifft – entwickeln aller Erfahrung nach kreativere und innovativere Ergebnisse.“ Hinzu käme eine viel größere Bereitschaft, das eigene Wissen mit Kollegen zu teilen – und das mache Teams viel schneller produktiv.

„Verändern müssen sich alle, doch nicht alle müssen alles verändern.“

Thomas Hutzschenreuter

Das eine tun ohne das andere zu lassen

Für Thomas Hutzschenreuter, Inhaber des Lehrstuhls für Internationales Management an der TU München, bewegen sich Unternehmen mit ihren Veränderungsbemühungen zwischen zwei Extremen. Entweder erstarrten sie in Trägheit und verpassten es ganz einfach, digitale Veränderungen auf den Weg zu bringen oder sie würden sich in einen unproduktiven, krankmachenden Aktionismus begeben.

Der Aufbau einer digitalen Garage bietet die Möglichkeit, beide Extreme zu vermeiden. Unternehmen können ihr Kerngeschäft weiter betreiben und parallel dazu nach Lösungen für die Zukunft zu suchen. Das Landshuter Unternehmen ebm-papst, das sich selbst als weltweiten Innovationsführer bei Ventilatoren und Motoren bezeichnet, geht genau diesen Weg. In Osnabrück wurde eine Außenstelle gegründet, in der digitale Lösungen für die Heiztechnik entwickelt werden sollen. Die Standortwahl begründet Stefan Brandl, Vorsitzender der Geschäftsführung, damit, dass dort interessante Fachleute zu Hause seien und noch einige Nachwuchskräfte aus der Region rekrutiert werden konnten. Wer weiß, was er will, muss nicht nach Berlin.

Unser interdisziplinäres Team hilft Ihnen gern beim Aufbau und beim Betrieb Ihrer digitalen Garage.

Herzliche Grüße
Ihr Michael Arpe