DIGITALE TRENDS

Welche digitalen Trends im Consumer-Bereich können für das B2B bedeutsam werden? Was sind kurzlebige Modeerscheinungen und was könnte Bestand haben – zumindest für zwei Jahre?

Beginnen wir mit einer Bestandsaufnahme. Per Smartphone, Tablet oder Laptop können wir von fast jedem Punkt der Erde aus rund um die Uhr nach Informationen suchen, auf mediale Inhalte zugreifen, einkaufen, miteinander sprechen und spielen sowie Mitteilungen, Bilder und Videos erstellen, empfangen und versenden. Mit Hilfe intuitiv bedienbarer Apps planen und organisieren wir unseren Alltag und unser soziales Leben, teilen Erlebnisse mit anderen und zeigen, was uns gefällt, was uns nicht gefällt und wie wir uns fühlen.

Unsere Gegenleistung: Wir gewähren den Anbietern Einblicke in unser Leben, unsere Wünsche und unsere Bewegungsmuster. Das Ergebnis: Dank immer feinerer Nutzerprofile wird unser (digitales) Leben immer einfacher, bequemer und schneller. Einmal Wischen, einmal klicken, upload, download, heute bestellt, morgen geliefert. Das weckt Erwartungen, die manchmal schmerzhaft mit der Wirklichkeit kollidieren – wenn der Paketdienst im Stau steht, die voraussichtliche Wartezeit im Call Center zwei Stunden beträgt oder der Servicetechniker erst in drei Wochen Zeit hat.

Immer schneller!?

In der Musikindustrie kennt man das Phänomen der „One Hit Wonders“ – Künstler, die mit einem Titel weltweit Erfolg haben und von denen man danach nichts mehr hört. Dank der sozialen Medien kann heute jedes Ereignis und jedes Produkt zu einem kometenhaften Hit werden, man denke nur an die „ASL Ice Bucket Challenge“, „Pokémon Go“ und die „Fidget Spinners“, die im vergangenen Jahr die Klassenzimmer eroberten.

Auch Christopher Bailey, Chief Creative Officer der Modemarke Burberry, wollte die Bilderflut in den sozialen Medien und die vermeintliche Macht der Influencer nutzen. „See now buy now“ hieß sein für die Modebranche revolutionäres Verkaufskonzept. Luxusmode zu Luxuspreisen sollte zu einem Sofort-Erlebnis werden. Was am Montagabend in London gezeigt wurde, hing am nächsten Morgen in allen Burberry-Läden von Los Angeles bis Tokio. Christopher Bailey ist mit seinem Konzept gescheitert, weil er das Verhalten seiner Kunden falsch einschätzte. Seine Mode war einfach zu schnell.

Anders als die Anderen

Der menschliche Wunsch, sich von anderen zu unterscheiden, ist so alt wie die Welt. Die Digitalisierung bietet dafür Möglichkeiten, die noch vor wenigen Jahren undenkbar waren. Wenn wir Wert darauf legen und über die nötigen Mittel verfügen, können wir unsere Kleidung und im Prinzip auch alle Güter nach unseren Wünschen und Vorstellungen online konfigurieren. Selbst unser Lieblingsmüsli können wir aus 80 Zutaten zusammenstellen. Mittlerweile gibt es im Netz auch maßgeschneiderte Dienstleistungen, Beispiele sind das „Online Coaching“ und das „Online Personal Training“.

So funktioniert das

Millionen von Youtube- und Facebook-Nutzern beweisen es Tag für Tag: Videoclips sind weltweit das beliebteste und am häufigsten genutzte Medium. Im B2C-Marketing sind sie unverzichtbar geworden, jetzt gewinnen sie auch im B2B zunehmend an Bedeutung. Zahlreiche Unternehmen stellen sich auf eigenen Youtube-Kanälen vor, präsentieren neue Produkte und Lösungen und berichten über Messen und Events. Die größte Bedeutung haben aber Trainingsvideos, denn sie können nicht nur mit allen Sprachen unterlegt bzw. untertitelt werden, sie können auch direkt am Ort des Geschehens gesehen werden.

Welche digitalen Trends werden Bedeutung für das B2B haben?

  • Die Kommunikation in den sozialen Medien macht es möglich, dass Produkte so gehypt werden, dass ihr Lebenszyklus auf wenige Wochen schrumpft.
  • Der Wunsch nach maßgeschneiderten Produkten – im Idealfall nach Unikaten – lässt sich dank der fortschreitenden Digitalisierung immer differenzierter erfüllen.
  • Videoclips in Verbindung mit AR/VR-Brillen werden Gebrauchsanweisungen und Manuals ersetzen und „Ungelernten“ neue Beschäftigungsmöglichkeiten eröffnen.

Ein letzter Gedanke: Der Wettbewerb zwischen Amazon, Google und Apple zeigt, dass deren Sprachassistenten Alexa, Google Home und Siri zum „next big thing“ werden könnten. Wenn die eigene Stimme zum Passwort wird, warum sollte Sprachsteuerung nicht auch bei industriellen Anwendungen zum Einsatz kommen?

Herzliche Grüße
Ihr Michael Arpe