DIE DIGITALISIERUNG DER GESUNDHEIT

Das staatliche Gesundheitswesen tut sich schwer mit der digitalen Vernetzung: Die elektronische Gesundheitskarte sollte bereits 2006 eingeführt werden,
aber Ärzte, Krankenkassen, Behörden und Datenschützer streiten immer noch über die Details. Unabhängige Entwickler, Start-ups und Patienten haben deshalb selbst die Initiative ergriffen und zeigen, wie hilfreich und sinnvoll die Digitalisierung der Gesundheit sein kann.

Die Angaben schwanken, wie viele Apps sich mit unserer Gesundheit beschäftigen, doch es dürften über 100.000 sein. Die Downloadzahlen steigen kontinuierlich und belaufen sich auf mehrere hundert Millionen. Die meisten Apps fallen in die Kategorien Fitness und Lifestyle und sollen uns helfen, über das Self-Tracking mehr auf unseren Körper zu achten, gesünder zu leben und unsere Leistungsfähigkeit zu erhalten bzw. zu verbessern. Selbsterkenntnis als erster Schritt zur Selbstoptimierung.

Daneben gibt es mittlerweile auch zertifizierte Medizinprodukte, die chronisch Kranken das Leben erleichtern. Ein digitales Diabetes-Tagebuch erfasst Blutzuckerwerte per Bluetooth und leitet sie an den behandelnden Arzt weiter.
Allergiker können sich den Pollenflug für unterschiedliche Standorte vorhersagen lassen und Menschen, die unter Tinnitus leiden, können ihr Gehirn mit gefilterter Musik neurophysiologisch trainieren.

Ferndiagnose für Augenkrankheiten

Ein anderes Ziel verfolgt eine deutsch-indische IT-Kooperation, die die ärztliche Versorgungslage in ländlichen Gebieten des Subkontinents verbessern will.

Patienten können sich in Krankenhäusern oder Arztpraxen ihre Augen scannen lassen. Eine App erfasst die Patientendaten anonym und stellt sie mithilfe eines Cloud-Frameworks Augenexperten auf der ganzen Welt zur Verfügung. Liegt eine Diagnose vor, wird der Patient von dem Krankenhaus oder Arzt informiert, das bzw. der die Scans durchgeführt hat. Dort erhält er auch eine Beratung, ob eine Behandlung erforderlich ist und wie diese erfolgen kann.

Eine App, die Leben rettet

Geht in einer Feuerwehrleitstelle ein Notruf ein, in dem ein Herzstillstand gemeldet wird, schickt der Mitarbeiter Notarzt und Rettungsdienst zum Einsatzort. In Gütersloh macht er noch mehr: über eine spezielle App alarmiert er auch qualifizierte Ersthelfer bei Feuerwehr und Katastrophenschutz.

Haben diese sich mit ihrem Smartphone in das System eingeloggt, überprüft die App anhand der GPS-Daten, welcher mobile Retter sich in der Nähe des Einsatzortes befindet und schickt eine Einsatzanfrage. Nimmt der Helfer die Anfrage an, ist er häufig noch vor dem Notarzt vor Ort und kann lebensrettende Maßnahmen einleiten. Bislang ist es noch ein Pilotprojekt, aber viele andere Städte haben bereits ihr Interesse bekundet.

Das digitalisierte Krankenhaus

Leben zu retten ist auch eine der wichtigsten Aufgaben unserer Krankenhäuser. Hier hilft die Digitalisierung Ärzten und Verwaltungspersonal, die Prozesse in allen Bereichen zu beschleunigen und effizienter zu gestalten.

In einer Hamburger Klinik wird in Kooperation mit Microsoft und Intel eine digitale Infrastruktur aufgebaut. Verbessert werden sollen nicht nur die Abläufe bei Einweisungen, Visiten und Notaufnahmen, sondern auch die Kommunikation mit niedergelassenen Ärzten. Um Wartezeiten zu verkürzen, können einweisende Ärzte z.B. über ein eigenes Portal vorab alle relevanten Patientendaten an die Klinik übermitteln und sich anschließend zeitnah über den Behandlungsverlauf informieren.

ma design hat gemeinsam mit dem Unternehmen KARL STORZ, dem Weltmarktführer bei Instrumenten für die minimal-invasive Chirurgie, eine Software-Umgebung für den integrierten Operationssaal entwickelt.

Das geräteübergreifende Bedienkonzept ermöglicht innerhalb des sterilen Bereiches die zentrale Steuerung aller medizinischen Geräte per Touchscreen oder Sprachsteuerung. Gleichzeitig bietet es ein Workflowsystem mit zahlreichen Funktionalitäten an – von Checklisten zur OP-Vorbereitung bis hin zur lückenlosen Archivierung und Dokumentation in der OP-Nachbereitung. Darüber hinaus können Operationen per Audio und Video übertragen werden – z.B. in Hörsäle.

Mehr Zeit für das Wesentliche

Der Charakter des Gesundheitswesens wird sich durch die Digitalisierung dauerhaft verändern. Das Internet wird zum überall verfügbaren medizinischen Ratgeber, soziale Medien werden genutzt, um Tipps und Erfahrungen auszutauschen und virtuelle Selbsthilfegruppen zu gründen. Aus ehemals passiven Patienten werden aktive Mitgestalter der eigenen Gesundheit, die besser informiert sind als jemals zuvor und ihre Daten selbst verwalten.

Ärzten und Krankenhäusern kann das die Arbeit erheblich erleichtern. Sie müssen viel weniger Zeit damit verbringen, Medikationspläne und frühere Diagnosen zu rekonstruieren, wenn die Patienten ihre Gesundheitsdaten verschlüsselt auf ihren Smartphones gespeichert haben. Sie werden wieder mehr Zeit bekommen, sich um das Wesentliche zu kümmern – die Gesundheit ihrer Patienten.

Herzliche Grüße
Ihr Michael Arpe