INTELLIGENTER UMGANG
MIT RESSOURCEN

„Wissen ist der einzige Rohstoff, der auf unserer Erde unbeschränkt zur Verfügung steht und der sich durch Gebrauch nicht abnutzt, sondern sogar vermehrt.“ Dieser Satz unseres ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler sollte als Aufforderung verstanden werden. Als Aufforderung zu denken, zu fragen, zu forschen und den Rohstoff Wissen zum Wohl der Allgemeinheit zu vergrößern.

Wir brauchen neues Wissen, denn wir befinden uns in einer Zwickmühle: Alle nicht-erneuerbaren Ressourcen wie Mineralien und fossile Energieträger werden eines Tages erschöpft sein. Uneinigkeit besteht nur darüber, wann dieser Zeitpunkt jeweils erreicht sein wird – in 50, 100 oder 500 Jahren. Aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung und steigender Lebensstandards wird die Nachfrage nach Rohstoffen aber zunehmen. Wir müssen also Wege finden, intelligent mit diesen begrenzten Ressourcen umzugehen.

Das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung

1992 haben sich die Vereinten Nationen auf einer Konferenz in Rio de Janeiro zum Leitbild der nachhaltigen Entwicklung bekannt. In einem Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert – der „Agenda 21“ – wird gefordert, die Wirtschafts-, Umwelt- und Entwicklungspolitik so zu verändern, dass die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigt werden können, ohne die Chancen zukünftiger Generationen zu beeinträchtigen.

Auf ihrer Website erklärt die Bundesregierung, was Nachhaltigkeit für sie konkret bedeutet: „Nur so viel Holz schlagen, wie auch nachwachsen kann; vom Ertrag – und nicht von der Substanz leben.“ Ein einprägsames Bild, aber Chrom, Kupfer, Palladium und Seltene Erden wachsen nicht nach. Was also kann man machen?

Steigerung der Ressourceneffizienz

Im produzierenden Gewerbe bilden Materialkosten mit einem Anteil von knapp 50 Prozent den größten Kostenblock. Die Deutsche Materialeffizienzagentur (demea) schätzt, dass sich durch den Einsatz neuer Materialien ein verbessertes Produktdesign (Leichtbau), die Optimierung der Produktionsabläufe, Korrosionsschutz zur Lebensdauerverlängerung und ein verbessertes Wertstoffrecycling bis zu 20 Prozent der Materialkosten einsparen lassen.

Recycling in allen Variationen

Selten hat eine Idee die schöpferische Phantasie so angeregt wie die des Recyclings. Warum soll man etwas wegwerfen, wenn man es weiter verwenden kann? Lässt sich damit vielleicht sogar ein Geschäft machen?

Im Konsumgüterbereich demonstrieren Anbieter von Weiterverkauf-Portalen welches Potenzial in dieser Frage steckt. Über deren Websiten können Verbraucher ihre gebrauchten Bücher, CDs, DVDs, Smartphones oder Tabletrechner weiter verkaufen. Ein Geschäftsmodell, das beim Verbraucher ankommt: Die Schwelle von 100 Millionen Euro Umsatz wurde bereits überwunden.

Industrieunternehmen haben einen anderen Fokus. Ihr Ziel ist es, möglichst geschlossene Rohstoffkreisläufe aufzubauen. Die Textilbranche liefert dafür ein eindrucksvolles Beispiel. Immer mehr Hersteller sammeln alte Kleidung und Schuhe wieder ein, um sie als Rohstoffe für neue Produkte zu nutzen. Dabei ist es egal, ob es sich um Kunstfasern oder Naturfasern handelt, ob die Schuhe aus Leder sind oder aus Gummi. Alles wird zerkleinert, granuliert, aufgespalten und gereinigt. Besonders interessante Rohstoffe sind Polyester und Polyamid, denn Kleidung aus diesen Fasern kann beliebig oft umgeschmolzen werden. Der Clou dabei: Mit jedem Schmelzvorgang verbessert sich die Faserqualität, weil Verschmutzungen, die bei der erstmaligen Herstellung entstanden, herausgelöst werden.

Maßstäbe im Bereich des Recyclings setzt auch BMW. Die Karosserie des BMWi3 besteht aus Carbonfasern, im Innenraum finden sich Filz, Wolle und ein Gewebe aus recycelten Plastikflaschen und insgesamt können 95 Prozent der eingesetzten Materialien wieder verwendet werden.

Urban Mining

Die größte Rohstoffquelle der Zukunft werden voraussichtlich unsere Städte sein. Jedes Jahr werden in Deutschland große Mengen Stahl, Kupfer und Aluminium verbaut. Experten schätzen den Bestand in Hochbau, Haustechnik und Tiefbau auf mindestens eine Milliarde Tonnen Stahl, sechs Millionen Tonnen Kupfer und drei Millionen Tonnen Aluminium. Diese Materialien werden früher oder später wieder als Schrott anfallen. Bei Kupfer nimmt man sogar an, dass sich global im Gebäudebestand und in Deponien größere Mengen befinden als in den verbliebenen natürlichen Lagerstätten.

Heute schon an morgen denken

Wenn wir intelligent mit unseren begrenzten Ressourcen umgehen wollen, müssen wir damit bei der Entwicklung neuer Produkte beginnen. Welche Materialen stehen zur Auswahl? Was lässt sich am besten recyclen? Was müssen wir berücksichtigen, damit man das Produkt leicht warten, reparieren und letztendlich demontieren kann? Fragen, die wir uns bei ma design regelmäßig stellen.

Herzliche Grüße
Ihr Michael Arpe