DIE MAGIE DES
EMBEDDED SYSTEMS ENGINEERING.
INTERVIEW MIT NILS BüRKNER.

Seit Oktober 2015 leitet Nils Bürkner das neu eingerichtete Elektroniklabor bei ma design in Kiel. Er selbst ist Embedded Systems Engineer.

Nils, was sind „embedded systems“?

Embedded Systems sind Mikrocomputer, die in Maschinen, Autos und Geräten Steuerungsaufgaben übernehmen. Sie bestehen aus vier Modulen: Sensoren, die Daten empfangen, einer zentralen Einheit, die diese Daten auswertet und dann so genannten Aktoren entsprechende Anweisungen gibt. Aktoren lassen sich am besten mit Motoren vergleichen. Dazu kommt noch eine Kommunikationsschnittstelle, damit das embedded system mit dem Nutzer oder anderen Geräten interagieren kann. Das Besondere besteht darin – und das macht für mich die Magie der embedded systems aus – dass sie im Verborgenen arbeiten und der Nutzer nichts davon bemerkt.

Worin besteht deine Tätigkeit als embedded systems engineer?

Ich entwerfe, bestücke und programmiere diese Mikrocomputer. Es beginnt mit der Elektronik. Wenn wir festgelegt haben, welche Aufgaben das embedded system erfüllen soll, suche ich zunächst die erforderlichen Bauteile aus. Dann überlege ich, wie man sie am besten auf der Platine positioniert und zeichne mit einer speziellen Software die elektrischen Verbindungen zwischen ihnen. Ein großer Vorteil ist, dass unser Elektroniklabor auf dem neuesten Stand der Technik ist und wir bis auf den Druck der Schaltkreise alle Arbeitsschritte selbst ausführen und kontrollieren können.

Wann erfolgt die Programmierung?

Sobald die Hardware elektrisch funktionsfähig ist, beginne ich mit der Programmierung. So kann ich zu einem frühen Zeitpunkt überprüfen, ob Sensoren und Aktoren wie gewünscht miteinander kommunizieren. Die wichtigsten Programmiersprachen sind „C“ und „Assembler“, das heißt, dass man bei der Programmierung direkt auf die Hardware zugreifen kann.


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Nils Bürkner (links) erläutert die magische Welt des Embedded Systems Engineering im lebendigen Dialog mit praktischen Beispielen.

Kannst du uns ein praktisches Beispiel für ein embedded system nennen?

Ganz einfach und plakativ: Ohne viel Aufwand und mit wenigen Komponenten kann ich jede herkömmliche Senseo Kaffeemaschine so aufrüsten, dass sie erkennt, wer seine Tasse abgestellt hat, wie groß die Tasse ist und welchen Kaffee der Besitzer immer trinkt. Allgemein gesprochen: Wir sind jetzt in der Lage, herkömmliche Geräte, Maschinen und Anlagen nachträglich so „intelligent“ zu machen, dass sie sowohl mit dem Nutzer als auch mit anderen Geräten interagieren können.

Könnt Ihr auch Prototypen entwickeln?

Ein eindeutiges JA! Wir entwickeln technische Baugruppen nach unseren eigenen Vorstellungen und schließen damit die Lücke zwischen Produktdesign und Softwareentwicklung. Wir verfügen in unserem Labor über alle technischen Möglichkeiten und können alles erproben. Für unsere Kunden ist das ein interessantes Angebot: Mit unserem kleinen Spezialisten-Team können wir Produkte nicht nur von Grund auf neu denken, sondern unsere Ideen auch umsetzen, prüfen und optimieren, bis uns die Lösung überzeugt.

Welche Bedeutung haben embedded systems für mobile Geräte?

Smartphones entwickeln sich immer mehr zu universellen Fernbedienungen, nicht nur für die Unterhaltungselektronik, sondern auch für unser Zuhause – Stichwort Smart Homes – und unseren Fuhrpark. In unserem Elektroniklabor können wir die entsprechenden Schnittstellen zwischen Apps und Endgeräten und den Informationsaustausch selbst definieren. Das bedeutet, das wir auch in diesem Bereich ganz neue Lösungen entwickeln können.

Vielen Dank für das Gespräch!