DAS ARBEITEN VON MORGEN
IN DER MIXED REALITY

Vom heimischen Sofa aus in fremde Welten eintauchen? Abenteuer auf derart authentische Weise erleben und spüren, dass die Grenzen zwischen Realität und Fiktion komplett verschwinden? Dank neuester Technologien ist dies keine abwegige Zukunftsvision, sondern gegenwärtige Realität.

Gestützt durch die Verbreitung bezahlbarer Consumerlösungen hat die Virtual Reality und Augmented Reality-Branche in den letzten Jahren einen starken Umsatz- und Bedeutungszuwachs erfahren. Doch worin liegen eigentlich die Unterschiede in der Anwendung von Virtual Reality und Augmented Reality?

Welten zwischen Virtualität und Realität

Virtual Reality bietet eine hohe Immersion, also das Empfinden, sich mittels einer speziellen VR-Brille in einer vollständig simulierten, künstlichen Umgebung zu befinden.

Das System wird zur Augmented Virtuality, wenn beispielweise mittels zusätzlicher Sensoren mit den eigenen Händen interagiert werden soll. Mit diesem Schritt werden reale Objekte in eine virtuelle Umgebung geholt.

Nimmt der Anteil der realen Welt auf das Szenario zu, wird eine umgekehrte Logik angewandt: Es werden virtuelle Inhalte in eine reale Szene geladen. Dieser Schritt macht die Anwendung zur Augmented Reality. Beide Systeme (AV und AR) werden übergreifend als Mixed Reality Lösungen bezeichnet.

Pixelfont

Erprobung der neuesten Technologien auf der EEE 2016 (Konferenz „Entwerfen, Entwickeln, Erleben“ in Dresden)

Innovationstreiber für die Wirtschaft

Auf welche Weise werden VR und AR die Wirtschaft und im Besonderen die Produktentwicklung beeinflussen? Denkt man über die heutige technische Leistungsfähigkeit hinaus, eröffnen sich Möglichkeiten, die unser Denken und Arbeiten grundlegend verändern werden.

Nach einer gemeinsamen Studie vom Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte, dem Fraunhofer Institut und dem Verband Bitkom aus dem Mai 2016, werden deutsche Unternehmen im Jahr 2020 knapp 850 Millionen Euro in Virtual- und Augmented Reality-Lösungen investieren. Den Löwenanteil sollen dabei innovative Anwendungen ausmachen. Was erhofft man sich von diesen Anwendungen? Im Wesentlichen eine Effizienzsteigerung: Zum einen können bestimmte Arbeiten schneller und günstiger ausgeführt werden. Zum anderen können „auch weniger erfahrene Mitarbeiter anspruchsvolle Tätigkeiten ausführen“, wie Timm Lutter vom Branchenverband Bitkom erklärt.

Die Entwicklung zielt nicht nur auf Experten ab, die auf spezielle Anwendungen geschult sind. Vielmehr soll es in Zukunft möglich sein, dass jeder Mitarbeitende, sei er beispielsweise in der Entwicklung oder in der Produktion tätig, die Vorteile der virtuellen Realität nutzen kann.

Nur noch kurze Zeit „außer Betrieb“

Um einen plastischen Eindruck von dem gewaltigen Anwendungspotenzial für die Wirtschaft zu erhalten, lohnt sich der Blick auf die Kooperation von Thyssen-Krupp und Microsoft: Mit dem Ziel, Fahrstuhldefekte schneller beheben zu können, wurden testweise 100 der 24.000 Thyssen-Krupp Techniker mit einer sogenannten „HoloLens“ ausgerüstet, die sich aus AR-Brille mit integriertem Computer zusammensetzt.

Mit dem Gerät kann der Techniker den Fahrstuhl als Hologramm vor seinen Augen entstehen lassen, einzelne Teile vergrößern und gleichzeitig Anleitungen von Kollegen erhalten, wie ein Defekt am besten behoben werden kann. Handbücher und Checklisten sind nicht mehr erforderlich. Für den Techniker ergeben sich viele Vorteile, da er mit beiden Händen frei arbeiten und zugleich kommunizieren kann. Es können hilfreiche Informationen mit realen Objekten verknüpft werden, die auch bestehen bleiben, wenn sich der Nutzer bewegt und seinen Blickwinkel verändert.

Das Beispiel von Thyssen-Krupp zeigt eindrucksvoll, wie sich schon heute vermischte Realitäten erzeugen und gezielt nutzen lassen, um Mehrwerte für die Arbeitswelt von morgen zu schaffen.

Augmented Reality unterstützt außerdem die Interaktion mit weiteren Nutzern, mit denen gemeinsam eine Situation erlebt werden kann. Dazu werden die verschiedenen AR-Brillen miteinander vernetzt und stehen im permanenten Austausch über die darzustellenden virtuellen Objekte. Betrachtet man die vielfältigen, unterschiedlichen Anforderungen verschiedener Industriezweige, so zeichnet sich eine große Bandbreite möglicher Augmented Reality Anwendungen ab.

Grenzen verschwinden – die Mixed Reality der Zukunft

Auch wenn man aktuell noch zwischen VR- und AR-Lösungen unterscheidet, werden diese Technologiegrenzen in naher Zukunft verschwinden. Ein fließender Übergang beider Systeme ineinander ermöglicht eine weitreichende Integration in den Arbeitsalltag – mit dem Ergebnis, dass der Immersionsgrad an die jeweilige Situation angepasst wird und der Wechsel zwischen Realität und Virtualität verschwimmt.

Schneller zu besseren Ergebnissen

Innovative Anwendungen für Virtual Reality und Augmented Reality wird es auch im Design und in der Konstruktion geben. Schon jetzt ist es möglich, bestimmte Aspekte wie Sichtachsen und Raumgefühl von Kabinen direkt am Schreibtisch des Entwicklers erleben und verbessern zu können. Das Ziel ist die Reduzierung der Anzahl physischer Prototypen, kombiniert mit einer signifikanten Qualitätssteigerung.

Entwicklungs- und Testzyklen werden in immer höheren Taktzahlen durchgeführt. Details, die früher mit gefrästen Modellen evaluiert werden mussten, können bereits vor der Fertigung des ersten Prototyps virtuell angepasst werden. Am Ende müssen diese Anpassungen im Modell lediglich überprüft werden, was zu einem Zeit- und Kostenvorteil in der Entwicklung führt.

Pixelfont

Die aktuelle Version der Oculus Rift Brille wird bei ma design ausgiebig getestet.

Wir konnten bereits sehr positive Erfahrungen bei der Entwicklung eines Fahrzeug übergreifenden Kabinensystems für Baumaschinen sammeln. Gerade bei der Sichtachsenüberprüfung war VR für uns ein großer Gewinn.

Mit Mixed Reality Lösungen wird der Weg für einen neuen Technologiesprung geebnet. Wir sind begeistert von den neuen Möglichkeiten und Einsatzfeldern und werden weiterhin konsequent forschen und testen, um den maximalen Nutzen für unsere Kunden zu erreichen.

Autor: Christian Jacobs