MUT ZUM PROZESSMUSTERWECHSEL!

Vor einem Jahr, am 1. Juni 2015, verstarb Prof. Dr. Peter Kruse. Der Psychologe, Netzwerkforscher und Unternehmer beschäftigte sich intensiv mit den Auswirkungen der digitalen Vernetzung auf unternehmerisches Handeln und die Entwicklung von Innovationen.

Wer etwas Neues erreichen will, so eine seiner viel beachteten Thesen, muss alte Gewohnheiten aufgeben und sich auf instabile Zustände einlassen. Sein 2004 veröffentlichtes Buch „next practice. Erfolgreiches Management von Instabilität“ wurde zu einer Inspirationsquelle für viele – auch für uns bei ma design.

„Next practice“ statt „Best practice“

Auch wenn die so genannte „New Economy“ mit dem Platzen der Dotcom-Blase in den Jahren 2000/2001 gescheitert schien, führte die schnell steigende Nutzung digitaler Medien zu fundamentalen Veränderungen in Unternehmen und Wirtschaft.

„Die zunehmende Vernetzung lässt den Markt bezogen auf Komplexität und Veränderungsgeschwindigkeit explodieren“ sagte Kruse im November 2004 in einem Vortrag. Er gehörte zu den Ersten, die erkannten, dass unter diesen Umständen die bloße Optimierung von Funktionen nicht mehr ausreicht, um im Wettbewerb zu bestehen. Das Benchmarking, die Orientierung an bereits erreichten Leistungsstandards, stoße an seine Grenzen, wenn sich die Entwicklung der Märkte nicht mehr vorhersagen lässt.

Kruse forderte ein radikales Umdenken. Führungskräfte sollten in der Veränderung eine Chance sehen – keine Bedrohung. „Die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen, und die Bereitschaft, lieb gewordene Stabilität aufzugeben, werden zu entscheidenden Erfolgsfaktoren.“

Welche gravierenden Auswirkungen es haben kann, wenn man Veränderungen ignoriert, zeigt das Beispiel der Musikindustrie.

Der Schritt von der LP zur Compact Disc war eine beispielhafte Funktionsoptimierung (best practice): Die CD hatte ein größeres Fassungsvermögen, nutzte sich beim Gebrauch nicht ab, hatte ein kleineres Format und ließ sich auch auf mobilen Geräten abspielen. Mehr konnte man nicht erreichen.

Dann änderte Apple die Spielregeln. Musik war nicht mehr an einen physischen Träger gebunden, sondern konnte aus dem iTunes-Store heruntergeladen und auf einem iPod abgespielt werden – ein Prozessmusterwechsel (next practice), der Apple innerhalb weniger Jahre zum weltweit größten Musikanbieter machte.

Doch auch das Kaufen von Musikstücken via Download musste sich bereits dem nächsten Prozessmusterwechsel unterwerfen: Musik wird heute für eine monatliche Pauschale auf die unterschiedlichsten Endgeräte gestreamt. Vorreiter war hier der Anbieter Spotify, Apple hat mittlerweile mit dem Dienst Apple Music nachgezogen.

Die Entwicklung der Märkte

Die Streamingdienstleister bewiesen damit ihr Gespür für die Veränderung des Marktes und zogen die richtigen Schlüsse. Insbesondere junge, computer-affine Kunden wollten eine neue, eine andere Art von Medienkonsum.

„Unternehmerisches Denken entsteht über die intensive Beobachtung und die Kenntnis von Marktanforderungen. Je mehr Menschen im Unternehmen oder in der Organisation ein ausgeprägtes Empfinden für die Entwicklung des Marktes haben, desto einfacher ist es, Akzeptanz für notwendige Änderungen zu finden. Wer Chancen erkennt, erzeugt konkrete Motivation, Risiken einzugehen.“, Prof. Dr. Peter Kruse in „Denkpausen 02“.

Wie kann man die Entwicklung der Märkte vorhersagen? Wie kann man angesichts wachsender Volatilität an Finanz- und Rohstoffmärkten, Unwägbarkeiten bei der Akzeptanz von Schlüsseltechnologien, Standardisierungshemmnissen und kurzfristig getroffener politischer Entscheidungen eine nachhaltig erfolgreiche Innovationsstrategie entwickeln?

Mit der szenariobasierten Konzeptentwicklung haben wir bei ma design ein Werkzeug geschaffen, das Dynamik und Komplexität beherrschbar macht und sich schon vielfach bewährt hat.


„Management von Stabilität ist wie das Segeln an bekannten Küsten. Management von Instabilität ist wie der Aufbruch zu unbekannten Kontinenten.“

Prof. Dr. Peter Kruse

Gehen Sie mit uns auf Entdeckungsreise.
Ihr Michael Arpe und Christoph Eichhorn