PREDICTIVE MAINTENANCE

Die digitale Transformation der Wirtschaft verändert viel, es gibt aber Weisheiten, die kein Verfallsdatum haben. „Vorbeugen ist besser als Heilen“ – dieser Satz gilt auch heute noch. Als „Predictive Maintenance“ hat er im Kontext von Industrie 4.0 eine Bedeutung erlangt, die weit über den Maschinen- und Anlagenbau hinausgeht.

Worum geht es genau? Ziel der Predictive Maintenance ist es, Störungen und Ausfälle zu antizipieren, um ungeplante Stillstandszeiten und Produktionsausfälle zu vermeiden. Sensoren erfassen Werte zu Drehzahl, Druck, Schwingung und Temperatur von Maschinen und Anlagen und übermitteln diese an eine Wartungszentrale. Dort werden die Messdaten mit Hilfe von Vergleichsmodellen, Korrelationen und Algorithmen ausgewertet, um Abweichungen zu erkennen und optimale Wartungszeitpunkte festzulegen.

Das Weltwirtschaftsforum und das Beratungsunternehmen Accenture haben in einer Studie ermittelt, dass mit Predictive Maintenance 30 Prozent der Wartungskosten eingespart werden können und die Anzahl ungeplanter Stillstände um 70 Prozent abnimmt.

Ausgangspunkt für neue Geschäftsmodelle

Welches Potenzial in dem Konzept steckt, erklärt Dr. Timo Berger, Leiter Industriedivision Factory Automation bei Weidmüller, einem der führenden Hersteller für Verbindungstechnik in Detmold: „Die Vision im Maschinenbau ist eine völlig neue Kundenbeziehung auf der Basis eines veränderten Geschäftsmodells. Wenn heute eine Maschine still steht, muss der Betreiber den Hersteller anrufen, der z.B. einen Service-Techniker vorbeischickt. Diese Beziehung wird sich in Zukunft umkehren: Der Maschinenbauer wird proaktiv seinen Kunden anrufen und ihn aufgrund der analysierten Daten auf ein aktuelles Problem oder einen zukünftigen Fehler hinweisen.“

Ersetzt man das Wort Maschine beispielsweise durch Flugzeugturbine, Förderband, Nutzfahrzeug oder Windrad, dann erkennt man, dass Predictive Maintenance in einer Vielzahl von Branchen die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle ermöglicht. Prinzipiell lässt sich alles mit Sensoren ausstatten – angefangen von Schienen- und Leitungsnetzen bis hin zu Küchengeräten.

Höhere Lebensqualität durch Digitalisierung der Infrastruktur

Predictive Maintenance bringt aber nicht nur Unternehmen Vorteile, sondern auch Kommunen und Bürgern, z.B. bei der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Sensoren melden Daten, die zeigen, ob Pumpsysteme und Klärwerke auch bei Starkregen ihre Fahrpläne einhalten. Sie melden drohende Verstopfungen durch Ablagerungen. Und sie messen Drücke, Durchflüsse und Temperaturen in Leitungs- und Kanalnetzen, um mit Hilfe von Algorithmen schleichende Leckagen zu erkennen und Rohrbrüche zu verhindern.

Als Bahnreisende werden wir eines Tages davon profitieren, dass ein großes deutsches Unternehmen von seinen Zügen „digitale Zwillinge“ erstellt. Wartungs- und Reparaturarbeiten sollen damit vorausschauend eingeplant werden, damit keine kaputten Züge die Gleise blockieren.

Wer in einem vernetzten Gebäude arbeitet, wird sich darüber freuen, das Facility Manager detailliert über Raumtemperaturen, Luftfeuchtigkeit, Luftqualität und die Funktionsfähigkeit der Zugangskontrollen informiert werden. Im Falle einer drohenden Störung des Gebäudesystems oder eines einzelnen Gerätes erhalten die Objektleiter eine Benachrichtigung auf ihr Tablet oder Smartphone und können reagieren, bevor es zum Betriebsausfall oder einer Betriebsstörung kommt.

Internet of Everything

Bosch Software Innovations geht davon aus, dass bis 2022 über 14 Milliarden Geräte mit dem Internet verbunden sein werden. Tablets und Smartphones sind in dieser Zahl wohlgemerkt nicht enthalten! In diesem „Internet der Dinge“ kommunizieren nicht nur Maschinen und Anlagen miteinander, sondern auch langlebige Konsumgüter mit ihren Nutzern. Die von uns gemeinsam mit unserem Kunden BSH entwickelte Home Connect App für die Steuerung von Hausgeräten verschiedener Marken ist dafür ein mehrfach ausgezeichnetes Beispiel.

Auch im B2C wird das Konzept der Predictive Maintenance zu neuen Geschäftsmodellen führen. Wolfgang Dorst, Bereichsleiter Industrie 4.0 beim Digitalverband Bitkom, sagt, wie es geht: „Man zerlegt die Wertschöpfungskette in ihre einzelnen Abschnitte und überlegt, welche Teile sich davon mit Diensten über das Internet optimieren lassen und wie man komplementär zum hergestellten Produkt weitere Dienstleistungen anbieten kann.“

Herzliche Grüße
Ihr Michael Arpe