SPRACHSTEUERUNG

Ein reichweitenstarkes Online-Magazin prognostizierte vor einigen Monaten, dass das Zeitalter des visuellen Designs zu Ende ginge. Grafik-Designer hätten keine Zukunft mehr, nur noch UX-Designer. Aber auch die müssten lernen, mit Worten umzugehen, denn die Schnittstellen der Zukunft seien „Conversational Interfaces“.

Warum soll man noch auf Icons eines Smartphones oder Tablets tippen, wenn digitale Assistenten wie Alexa, Cortana, Google Home, Siri und demnächst auch Magenta die Sprache ihrer Nutzer verstehen? Eine berechtigte Frage, die vielen App-Entwicklern schlaflose Nächte bereiten wird, denn vor ihren Augen vollzieht sich gerade ein klassischer Prozessmusterwechsel. Eine „visuelle Verpackung“ wird nicht mehr benötigt, wenn Alexa & Co. die Kaffeemaschine steuern und man bald nur noch sagen muss, dass man gern einen doppelten Espresso mit etwas Zucker haben möchte. Werden die Apps auf unseren Smartphones und Tablets damit überflüssig?

Wie kann ich behilflich sein?

Tests zeigen, dass es noch nicht so weit ist – noch nicht. „Hey Siri, kann ich heute noch von Hamburg nach Frankfurt fliegen?“ „Ich denke, Hamburg liegt etwa neun Kilometer entfernt.“
Auf die deutlich schwierigere Frage, ob man sich noch ein Auto mit Dieselmotor kaufen soll, empfiehlt Siri Autohändler unterschiedlicher Marken in der Nähe.

Auch erste Versuche mit der deutschen Version von Google Home zeigen, dass noch viel Luft nach oben ist. Der Tester einer großen deutschen Tageszeitung stellte nach einigen Fragen enttäuscht fest, dass Google Home nichts anderes sei als ein Lautsprecher, auf dem der Google Assistent laufe. Allerdings leiste er dort weniger als auf einem Android-Smartphone.

Der Wettbewerb beginnt erst

Diese Beispiele machen zwei Dinge deutlich: Damit Konsumenten ihre Geräte kaufen und intensiv nutzen, müssen Technologiekonzerne attraktive Leistungsangebote entwickeln. Für Amazon und Google sollte das keine Probleme bereiten, denn sie wissen schon jetzt sehr viel über die Wünsche, Interessen und Bedürfnisse ihrer Kunden. Auch für Apple müsste die Aufgabe lösbar sein, denn Siri werden Woche für Woche weltweit über zwei Milliarden Fragen gestellt.

Anbieter wiederum müssen auf den Plattformen von Alexa & Co. „gelistet“ sein, um empfohlen und wahrgenommen zu werden. Das ist für Autohändler leichter als für Pizzaboten oder Anbieter von Wettervorhersagen und Nachrichten, denn die sind i.d.R. austauschbar.

Voneinander lernen

Über welche neuen Fähigkeiten digitale Sprachassistenten verfügen, wird man vermutlich durch entsprechende Fragen feststellen können. Oder sie werden uns selbst darauf aufmerksam machen – analog zu den Empfehlungen von Amazon. Bei Alexa & Co. könnte es heißen: „Wer abends in diesem Restaurant gegessen hat, ging danach noch gern in diese Bar.“ Die Assistenten könnten auch empfehlen, statt mit der Deutschen Bahn mit einem FlixBus zu reisen oder innerhalb einer Großstadt Daimlers Car Sharing-Angebot car2go an Stelle des ÖPNV zu nutzen.

„My voice is my password.“

Nuance Communications

Wer einen digitalen Sprachassistenten benutzt, muss sich dessen bewusst sein, dass jede Anfrage in der Cloud des entsprechenden Anbieters gespeichert und ausgewertet wird. Je mehr Fragen wir stellen, desto mehr Details geben wir über unser Leben preis – desto besser und präziser kann er aber auch unsere Fragen beantworten. Wie weit dieses Geben und Nehmen gehen soll, ist eine Abwägung, die jeder Nutzer für sich allein treffen muss.

„Kannst Du mir das Wasser reichen?“

Es wird noch einige Zeit dauern, bis digitale Sprachassistenten die tiefer liegende Bedeutung dieser Frage verstehen und wir dürfen gespannt sein, wie die Antwort ausfallen wird.

Das Wirtschaftsmagazin „Economist“ prophezeite, dass Sprachsteuerung sich ungeachtet aller rechtlichen Probleme und Fragen des Datenschutzes durchsetzen wird, da der Gebrauch der Sprache die natürlichste und bequemste Art der Kommunikation sei.

Lassen Sie uns darüber reden und ausprobieren, welche Möglichkeiten und Chancen sich durch Sprachsteuerung für Ihre Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle ergeben können.

Herzliche Grüße
Ihr Michael Arpe