DIE VERFüHRERISCHE MACHT
DER QUERY.

Wenn wir ein Produkt, eine App oder ein Geschäftsmodell entwickeln, beginnt 
der Prozess jedes Mal damit, dass wir Fragen stellen. Wir wollen uns ein möglichst umfassendes und facettenreiches Bild machen. Was ist das Ziel? In welchem Umfeld, unter welchen Bedingungen und von wem soll das Produkt – egal ob digital oder analog – genutzt werden? Was bewegt und interessiert die potenziellen Nutzer? Wie sieht der Markt zurzeit aus und wie könnte er sich entwickeln? Welche Trends lassen sich erkennen? Was wäre, wenn …?

Um überzeugende Lösungen entwickeln zu können, müssen wir den Dingen auf den Grund gehen. Dabei ist die Query – die gezielte Suche nach Informationen in digitalen Quellen – zu einem wichtigen Instrument geworden. Wir wissen aber, dass die Ergebnisse unserer Abfragen nur bedingt aussagefähig sind, da sie auf Algorithmen beruhen.

Glauben Sie keinem Algorithmus, den Sie nicht selbst geschrieben haben

Durch die fortschreitende Digitalisierung unseres Lebens werden in jeder Sekunde Milliarden von Informationen erzeugt, protokolliert und gespeichert, z.B. wenn wir telefonieren oder das Internet nutzen, wenn vernetzte Rechner Daten austauschen oder wenn Sensoren, Geräte und Maschinen miteinander kommunizieren.

Für die Klassifizierung und Analyse dieser Datenflut benötigt man Algorithmen. Unternehmen, die Nutzern diese Algorithmen zur Verfügung stellen, legen im Programmcode fest, wie die Daten gefiltert, verknüpft, komprimiert und angezeigt werden. Einerseits ist das sehr bequem und erleichtert uns die Suche nach Antworten erheblich, andererseits sind wir damit abhängig von Algorithmen, deren Logik wir nicht kennen.

Korrelationen statt Kausalität

Ein weiterer Grund zur Vorsicht besteht darin, dass Algorithmen auf Korrelationen statt auf Kausalität setzen. Je mehr Daten ausgewertet werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man dabei auch statistische Zusammenhänge findet, die nichts miteinander zu tun haben.

Die Website Spurious Correlations zeigt eindrucksvolle Beispiele. So steigen die US-Staatsausgaben für Wissenschaft, Raumfahrt und Technologie und die Zahl der Selbstmorde durch Erhängen und Ersticken in einem Zeitraum von zehn Jahren in gleichem Maße an. Nicht einmal Verschwörungstheoretiker würden behaupten, dass hier ein kausaler Zusammenhang besteht. Aber nicht jede Scheinkorrelation ist so offensichtlich wie diese.

Auch die Query der Query kann in die „Korrelationsfalle“ führen. Wenn ein Suchmaschinenanbieter feststellt, dass in einer bestimmten Region auffallend oft nach einem Grippeimpfstoff gesucht wurde, bedeutet es noch lange nicht, dass dort eine Grippeepidemie bevorsteht oder herrscht.

Algorithmen ersetzen nicht das eigene Denken

Die einfachen und vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten machen die Query so beliebt und so verführerisch. Aber wir müssen uns dessen bewusst sein, dass schon die Art und Weise, in der wir Abfragen formulieren, die Suchergebnisse beeinflussen können. Dazu müssen wir uns immer fragen, ob die Ergebnisse unserer Recherchen plausibel sind und welche Schlüsse wir daraus ziehen können – und was wäre, wenn es vollkommen anders wäre?

Nur wer hinterfragt und die Query als Startrampe für eigene Ideen nutzt, kann wirklich etwas Neues entwickeln, das über die Optimierung vorhandener Lösungen hinausgeht. Auch wir nutzen die Macht der Query, aber wir wissen aufgrund unserer Erfahrung, wie die Ergebnisse zu bewerten sind und welche Schlüsse man wirklich daraus ziehen kann.

Autor: Christoph Eichhorn