SMART CITIES:
DIE WELT WIRD URBAN

Auch wenn in Deutschland immer mehr Menschen von der „Landlust“ gepackt werden und von einem einfachen Leben auf dem Land träumen – weltweit zieht es die Menschen in die Städte. Seit 2007 leben erstmals mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Bis 2050 soll der Anteil der „Stadtmenschen“ sogar auf 70 Prozent wachsen, in absoluten Zahlen wären das 6,4 Milliarden.

Die Landflucht stellt Bürgermeister und Stadtverwaltungen auf allen Kontinenten vor große Probleme. Würde man deutsche Maßstäbe zugrunde legen, müsste z.B. Peking Jahr für Jahr die Infrastruktur Mannheims neu errichten. Theoretisch müssten dort rund 300.000 Zuzügler nicht nur mit Wohnraum, Wasser, Strom und Telekommunikation versorgt werden, sie bräuchten auch Schulen, Ärzte, Krankenhäuser, Straßen, Zugverbindungen, Abwasser- und Abfallentsorgung.

Bislang ist es noch keiner Metropole gelungen, diese Herausforderung zu meistern. Pekings Bürgermeister Wang Anshu klagte sogar gegenüber staatlichen Medien, dass die Stadt aufgrund der schlechten Luftqualität und der komplett überlasteten Infrastruktur „unbewohnbar“ geworden sei.

Globales Wachstum der Stadtbevölkerung

SmartCities_Grafik

Quelle: UN World Urbanization Prospects, 2014

 

Vernetzt geht alles besser

Stadtplaner, Wissenschaftler und Politiker sind sich einig, dass es nur eine Lösung für diese Probleme gibt: Aus unseren Städten müssen „smart cities“ werden, deren digitale Steuerungssysteme miteinander vernetzt sind.

Unsere Kommunikations-, Verkehrs- und Energienetze sind unabhängig voneinander entstanden und gewachsen. Jetzt müssen wir uns von alten Denkmustern lösen und diese Insellösungen zusammenführen. Wir brauchen Plattformen, auf denen die Daten dieser Systeme miteinander verknüpft werden.

Das urbane Leben ist so komplex geworden,
so überladen mit Baunormen,
überfrachtet mit Sicherheitsbestimmungen,
dass nur einer noch das selbst erzeugte Chaos beherrschen kann:
Der Supercomputer namens Stadt.

Die Zeit

Was dann möglich ist, zeigen Beispiele aus Barcelona und Newcastle. Wird in der katalanischen Hauptstadt ein Feuer gemeldet und die Löschfahrzeuge rücken aus, werden die Ampeln auf dem Weg zum Einsatzort nach und nach auf „grün“ geschaltet. Sobald die Feuerwehren eine Kreuzung passiert haben, wechseln die Ampeln wieder in den Standardbetrieb. Im britischen Newcastle testen Wissenschaftler der Universität und Ingenieure von Siemens, wie Autos und Ampelanlagen miteinander kommunizieren müssen, damit der Verkehr fließt. Passiert ein Testfahrzeug eine entsprechend ausgerüstete Ampel, sehen die Fahrer, welche Geschwindigkeit sie einhalten müssen, um die nächste Grünphase zu erreichen. So sollen Staus vermieden und Abgase reduziert werden.

In unserem Alltag werden wir gleich mehrfach von der Vernetzung profitieren. Wenn es uns durch intelligente Steuerung gelingt, den Verkehr besser zu leiten, die Auslastung der Strom- und Wassernetze zu optimieren, den Energieverbrauch zu reduzieren und weniger Müll zu produzieren, lösen wir damit auch viele unserer Umweltprobleme.

Große Aufgaben bieten große Chancen

Um eine intelligente Steuerung möglich zu machen, müssen Millionen von Sensoren installiert werden, die unentwegt Daten über Luftverschmutzung, Lichtverhältnisse, Autoverkehr, Fußgängerströme, Energieverbrauch etc. liefern. Diese Daten müssen gefiltert, verknüpft, komprimiert und so aufbereitet werden, dass man auf ihrer Grundlage Entscheidungen treffen kann. Das erfordert die Entwicklung spezieller Algorithmen, die Bereitstellung und Wartung entsprechender Rechnerkapazitäten sowie die Ausbildung von Experten, die mit diesen Systemen umgehen können.

Technologieunternehmen wie Cisco, IBM, Google, SAP und Siemens haben das schon vor Jahren erkannt und arbeiten an der Entwicklung entsprechender Lösungen. Aber es wäre falsch, das Feld allein den „Großen“ zu überlassen, denn alle Beteiligten haben mittlerweile gelernt, dass es keine Patentlösung gibt, die für alle Städte passend ist. Peking lässt sich nicht mit Mannheim vergleichen.

Jede Stadt braucht eine maßgeschneiderte Lösung, die von den historisch gewachsenen Strukturen ausgeht und berücksichtigt, wie Investitionsentscheidungen in Kommunen und Stadtwerken getroffen werden – und wie man die Prozesse und Entscheidungsabläufe optimieren kann.

Der Aufwand lohnt sich, denn wir sollten es uns nicht nehmen lassen, unsere Zukunft aktiv zu gestalten.

Herzliche Grüße
Michael Arpe