NEUE CHANCEN MIT SMART DATA: MITTELSTAND 4.0

„Daten sind die Rohstoffe des 21. Jahrhunderts“ sagte Angela Merkel vor Beginn der CeBIT 2016. Im Gegensatz zu vielen natürlichen Rohstoffen sind Daten aber keine begrenzte Ressource, sondern vermehren sich durch die Vernetzung von Maschinen und Geräten exponentiell. Mittelständische Unternehmen, die die Chancen der Digitalisierung nutzen wollen, müssen deshalb Prioritäten setzen.

Natürlich ist es möglich, alle Daten zu sammeln, die entlang der Prozessketten generiert werden. Die Anbieter von Big Data-Lösungen sind aus nahe liegenden Gründen die größten Verfechter dieser quantitativen Vorgehensweise: Je größer das Datenvolumen ist, desto aufwändiger ist die Analyse.

Mittelständler sollten sich von der Sammelwut der Big Data-Anhänger nicht anstecken lassen. Sie sollten pragmatisch und kostenorientiert vorgehen und nur die Daten erfassen, die für die Effizienz der Prozesse in ihrem Unternehmen entscheidend sind – Smart Data.

Wie generiert man Smart Data?

Da die Prozessketten von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich sind, gibt es auch keine allgemein gültigen Parameter für deren Effizienz. Um zu ermitteln, welche Daten inhaltlich relevant und damit „smart“ sind und welche nicht, muss zunächst eine Schwachstellenanalyse durchgeführt werden: Wo und wann treten am häufigsten Fehler und Störungen auf? Was führt zu Unterbrechungen? Welche Teile bzw. Komponenten fallen am häufigsten aus? An welchen Stellen gibt es Stillstandszeiten und warum? Wo und wann kommt es zu Engpässen?

Darauf aufbauend müssen die eingesetzten Maschinen und Geräte analysiert werden: Wie kommunizieren sie mit anderen Komponenten der Prozesskette? Welche Daten erhalten sie und welche liefern sie wohin?

Das Ergebnis der Bestandsaufnahmen ist ein präzises Abbild des Workflows, der Produktionsdaten und Steuerungsmöglichkeiten. Aufwand und Kosten dafür sind überschaubar und zahlen sich aus, denn jetzt wird transparent, welche Daten wirklich „smart“ sind, welche fehlen und auf welche man verzichten kann. Deutlich wird auch, wo und wie man Abläufe und Prozesse nachhaltig verbessern kann.

Die Herausforderung:
Das digitale Babylon überwinden

Die dafür erforderliche Software muss viele Anforderungen gleichzeitig erfüllen. Zunächst liefert jedes Element der Prozesskette seine Daten und Messwerte auf Basis eines eigenen Kommunikationsprotokolls. Diese Daten müssen nach einheitlichen Standards erfasst, gespeichert und übertragen werden. Meldet ein Sensor z.B. eine Temperatur von zehn Grad, muss klar sein, ob es sich dabei um Celsius, Fahrenheit oder Kelvin handelt.

Darüber hinaus benötigt man eine zentrale Plattform, auf der alle relevanten Daten zusammengeführt, verarbeitet und dokumentiert werden. Hier hilft das Know-how von User Experience-Experten, um Kennzahlen, Ergebnisse und Steuerungsvorschläge so darzustellen, das Diplom-Ingenieure und Maschinenbediener gleichermaßen damit arbeiten können.

Wer so systematisch vorgeht, wird die Qualität deutlich verbessern – durch aussagefähige Kennzahlen, benutzerrelevante Informationen, maßgeschneiderte Software und effiziente Prozesse.

Eine Weltsprache der digitalen Produktion

Neben der Nutzung von Smart Data bietet sich mittelständischen Unternehmen seit kurzem noch eine weitere Chance – sogar mit globalen Dimensionen. Die deutsche Plattform „Industrie 4.0“ und das amerikanische „Industrial Internet Consortium“ IIC werden nicht mehr konkurrieren, sondern kooperieren. Gemeinsames Ziel ist es, eine Weltsprache der digitalen Produktion zu definieren, die in allen Ländern verstanden wird. Kooperationen über Branchen- und Ländergrenzen hinweg werden dadurch einfacher. Interessante Partner finden aber nur diejenigen, die dank effizienter Prozesse und Smart Data attraktive Angebote machen können.

Herzliche Grüße,
Ihr Michael Arpe